Diesen Monat hat mein Bundesfreiwilligendienst (kurz: BFD) beim Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) begonnen, den ich 12 Monate lang als Rettungssanitäterin absolvieren werde. Ich stehe also am Anfang von meinem nächsten Lebensabschnitt, der die entspannte Zeit nach dem Abitur beendet und mich vor ganz neue und teilweise auch unbekannte Aufgaben stellt. Die erste Woche meines Freiwilligendienstes war das Einführungsseminar vom 4. bis zum 8. Juni. Ich möchte euch hier von dem Seminar erzählen, was ich gelernt und erlebt habe und welche Eindrücke ich sammeln konnte.

Warum die Seminare?

Die Seminare sind im Bundesfreiwilligendienst ebenso wie im Freiwilligen Sozialen Jahr vorgeschrieben, es besteht eine Anwesenheitspflicht. Bei einem Dienst von 12 Monaten muss man 25 Seminartage besuchen (beim BFD über 27 Jahren nur für jeden Monat Dienst einen Tag, also bei 12 Monaten dann 12 Tage), also insgesamt fünf Wochen mit jeweils fünf Tagen.
Die Seminare dienen zum Austausch mit anderen Freiwilligen und als Begleitung durch den Freiwilligendienst. Dabei werden die Freiwilligen von der Seminarleitung bei Problemen unterstützt und können offene Fragen klären. Außerdem hat man hier die Möglichkeit, soziale Kompetenzen auszubauen und zu verbessern. Manche Seminare finden auch in einem politischen Rahmen statt, bei uns ist es eines im November.

Erwartungen und Ängste

Ich war sehr nervös, als ich am Montag meine Taschen in mein Auto packte und losfuhr zu meinem allerersten Seminar. Einerseits freute ich mich sehr auf die vor mir liegende Woche, andererseits hatte ich Angst, dass es schrecklich werden würde. Viele Fragen schwirrten mir im Kopf herum. Zwar hatte ich vorher schon einen Brief bekommen, in dem ungefähr die Themen der Woche genannt worden waren, aber abgesehen davon wusste ich nicht, was mich erwartete. So hatte ich zum Beispiel Sorgen, dass die Gruppe zu groß sein würde, oder dass ich mich mit niemandem verstehen würde. Außerdem war ich etwas unsicher, weil ich noch keinen kannte.
Ich hoffte von Anfang an, dass wir alle mit der Seminarleitung auf Augenhöhe kommunizieren würden anstatt des typischen „Schüler-Lehrer-Verhältnisses“, dass man noch aus der Schule kannte.
Für die Gruppe wünschte ich mir ein gemeinschaftliches Verhältnis, um niemanden auszugrenzen. Allgemein hatte ich die Erwartung, dass wir Zusammenhalt entwickeln würden und Spaß haben würden.
Auch an mich selbst hatte ich Erwartungen: Ich wollte nicht nur meine Zeit dort absitzen, sondern so viel wie möglich aus der Woche mitnehmen, neue Leute kennenlernen und gut mit ihnen klarkommen.

Montag

Als ich am Montagmorgen um 9:45 Uhr das Haus betrat, wurde mir schnell klar, dass meine Sorgen unbegründet gewesen waren. Sowohl die anderen Teilnehmer(-innen) als auch die Seminarleiterinnen waren freundlich und sehr sympathisch, und unsere Gruppe beschränkte sich auf 14 „Bufdis“ und „FSJler“. Zwar kannte ich noch niemanden, aber ich fühlte mich sofort wohl in der Gruppe. Wir übernachteten fast alle in dem Haus, was unsere Gruppendynamik im Laufe der Woche sehr positiv beeinflussen sollte. Ich teilte mir mit vier weiteren Mädchen ein Zimmer und wir kamen von Anfang an gut miteinander klar.
Wir bezogen die Zimmer und als alle angekommen und in die Zimmer eingeteilt waren, begann unser Einführungsseminar ganz offiziell.
Wir stellten uns alle vor und tatsächlich stellte sich heraus, dass ich eine von fünf in der Gruppe bin, deren Ziel das Medizinstudium ist. Fast alle aus unserer Seminargruppe leisten ihren Bundesfreiwilligendienst (oder FSJ) im Rettungsdienst ab, sodass wir alle zusammen auch die Rettungssanitäter-Ausbildung machen werden.
Außerdem wurden noch organisatorische Dinge geklärt, das Abendprogramm für Dienstag und Donnerstag geplant und wir stellten gemeinsam unsere Seminarregeln auf (Handy nur in Pausen, respektvoller Umgang…). Außerdem bekamen wir alle eine ASB-Stofftasche geschenkt, die ein kleines Erste-Hilfe-Set, einen Block, einen Kugelschreiber und eine Brotdose enthielt – Dinge, die man immer gebrauchen kann.
Nachmittags gingen wir noch ein kleines „A bis Z“ des Bundesfreiwilligendienstes durch, wobei uns die Seminarleiterinnen einige wichtige Hinweise gaben, zum Beispiel für den Krankheitsfall.
In der freien Zeit abends wurden von zweien aus der Gruppe Schoko-Kirsch-Brownies gebacken und später fuhren wir noch als Gruppe an einen See, wo wir einen sehr schönen Abend verbrachten.

Dienstag

Der Dienstag begann morgens mit einem Themenblock zu Rechten und Pflichten, die wir als Freiwillige haben. Dazu bekam jede Kleingruppe einige Kärtchen mit Fallbeispielen und musste dazu Fragen wie „Was muss ich in dieser Situation tun?“ oder „Darf ich so handeln?“ beantworten. Themen waren zum Beispiel Nachtdienste, Schweigepflichtverletzung, Schwangerschaft im Bundesfreiwilligendienst oder FSJ… Die Fragen waren teilweise gar nicht so einfach zu beantworten und die anschließende Besprechung in der großen Runde zusammen mit der Seminarleitung war deshalb umso hilfreicher.
Nach einer kurzen Pause bekamen wir ein kleines Quiz über den Arbeiter-Samariter-Bund ausgeteilt und beschäftigten uns bis zum Mittagessen dann mit Informationen über diese Organisation. Wir erstellten eine Mind-Map zum ASB und bekamen einige Daten zum ASB Rheinland-Pfalz. Viele Fakten waren mir bis dahin nicht bekannt gewesen, deshalb fand ich auch dieses Thema sehr interessant.
Mittags bekamen wir Besuch von einer Frau, die mit ihren Hunden schon jahrelang ehrenamtlich bei der Rettungshundestaffel tätig ist. Sie hatte einen ihrer Hunde dabei und dieser war total goldig! Die Präsentation zum Thema Rettungshunde war für mich vor allem deshalb informativ, weil ich mich vorher noch nie damit beschäftigt hatte. Am Ende durften wir im Garten mit der Hündin noch zwei kleine Suchübungen machen, was echt spannend war. Es war bemerkenswert, wie schnell sie die versteckten Freiwilligen finden konnte.
Nachmittags fand ich noch Zeit, um zum Sport zu gehen und abends waren wir dann mit der Gruppe im Kino.

Mittwoch

Wir starteten den Mittwoch mit einer lustigen Gruppenübung, die den ganzen Vormittag in Anspruch nahm. Das Szenario: Wir waren Astronauten auf Mission, denen nach einer Reparatur des Raumschiffs eine Außerirdische eine Plüschente gestohlen hatte. Diese mussten wir dann zurückerobern und dafür als Team agieren. In der Erzählung mag das vielleicht kindisch klingen, aber es hat einen Riesenspaß gemacht. Wir eroberten unsere Ente erfolgreich in der vorgegeben Zeit von 45 Minuten zurück und gewannen gegen die „Außerirdische“, die von einer der Teamleiterinnen dargestellt wurde.
Nach diesem Spiel reflektierten wir als Gruppe noch einmal die Zusammenarbeit und auch jeden Einzelnen. Jeder schätzte sich zunächst selbst ein und stellte die Position, die er seiner Meinung nach in der Gruppe eingenommen hatte, kurz vor. Vergleichen sollten wir uns dafür mit verschiedenen Auto-Bauteilen und ihren Funktionen (also zum Beispiel Motor – Antrieb, Lenkrad – Richtung angeben und so weiter). Anschließend konnten die anderen dem Einzelnen entweder zustimmen oder ihre Einschätzung zur Person geben. Es war wirklich ein gutes Gefühl, als ich sah, dass ich mich so eingeschätzt hatte, wie mich die Gruppe auch sah (nämlich als Motor).
Am Nachmittag fand der Erste-Hilfe-Kurs statt, den die meisten von uns für die Rettungssanitäter-Ausbildung brauchen. Einige wussten das meiste noch, was uns beigebracht wurde, aber ich muss ehrlich sagen, mein letzter Erste-Hilfe-Kurs liegt schon ein paar Jahre zurück und deshalb war ich am Ende doch ganz froh, alles noch einmal gehört zu haben. Wir übten zum Beispiel das Reanimieren an Puppen, die stabile Seitenlage oder das Anlegen eines Druckverbandes.
Den Abend verbrachten wir zusammen im Haus mit Tanzen, dem Werwolf-Spiel und einem Film als Ausklang.

Donnerstag

Auf den Donnerstag hatte ich mich am meisten gefreut, denn für diesen Tag standen die meiner Meinung nach besten Themen auf dem Plan: Morgens ging es um Stress im Alltag, mittags sollten wir einen Brief an uns selbst schreiben.
Da ich mir selbst oft Stress mache und diesen oft dann nicht richtig abbaue, war dieses Thema für mich wichtig. Wir sprachen über Stressoren, Langzeit- und Kurzzeitstress und sollten dann unsere ganz persönlichen Stressfaktoren aufschreiben und bewerten, wie sehr diese uns belasten. Im Anschluss daran sammelten wir auf Plakaten verschiedene Wege zur Stressbewältigung. Für mich war dieser Teil des Tages extrem aufschlussreich, da ich immer noch ein wenig auf der Suche nach der perfekten Ablenkung in Stresssituationen für mich bin und neue Anregungen sammeln konnte.
Mittags stand ein für mich sehr schönes Thema an: „ein Brief an mich selbst“. Wir bekamen ein paar Fragen als Denkanstöße (beispielsweise was uns glücklich macht und was wir uns für den Freiwilligendienst vorgenommen haben) und sollten uns selbst einen Brief schreiben. Nachdem jeder seinen Brief in einen Umschlag gesteckt hatte, sammelte die Seminarleiterin die Umschläge alle ein. In genau einem Jahr werden wir alle unsere Briefe zugeschickt bekommen. Ich freue mich schon darauf, denn ich habe mir mit meinem Brief viel Mühe gegeben.
Unseren letzten Abend verbrachten wir mit bowlen und danach fuhren wir noch mit der Hälfte der Gruppe nach Mannheim in eine Bar. Ohne Alkohol natürlich, denn auf den Seminaren herrscht bei uns Alkoholverbot.

Freitag

Der letzte Tag begann nach einer langen Nacht viel zu früh mit dem Kofferpacken, Aufräumen und einem kleinen Gruppenspiel zum Wachwerden.
Wir reflektierten noch einmal die Woche und schrieben alle ein eigenes anonymes Feedback an die Seminarleitung.
Dann sammelten wir noch Themenvorschläge für das nächste Seminar (das Zwischenseminar im September) und einigten uns auf das Thema „Gewalt“. Hierfür sammelten wir dann Ideen für Themenblöcke, Referenten und Exkursionen. Ich halte das für ein wichtiges Thema, mit dem man sich auseinandersetzen muss und freue mich deshalb umso mehr auf das Seminar darüber.
Nach einer abschließenden Runde, in der jeder noch einmal seine Meinung zur vergangenen Woche geben konnte, war unser erstes Seminar als Freiwilligendienstler(-innen) dann vorbei. Von dieser Runde sind mir besonders die Worte der Seminarleiterinnen im Gedächtnis geblieben, die sich bei uns für unseren Einsatz als Freiwillige bedankten. Das hat mich einfach gefreut und mit diesen Worten im Hinterkopf bin ich dann mit einem guten Gefühl nach Hause gefahren.

Und zum Schluss…

Letztendlich kann ich sagen: Ich hatte eine tolle Woche, habe supernette Menschen kennengelernt und habe das Glück, in einer Seminargruppe zu sein, in der Zusammenhalt und ein harmonisches Miteinander wichtig sind. Es hat einfach funktioniert und deshalb habe ich mich die ganze Woche wohlgefühlt. Wir haben immer Rücksicht aufeinander genommen und dadurch ein entspanntes Klima. Außerdem gab es auch keine größeren Streitigkeiten in der Gruppe und niemand wurde wegen irgendetwas ausgegrenzt. Was mich sehr freut ist, dass wir fast alle unseren Freiwilligendienst im Rettungsdienst machen, und das bedeutet: Schon nächste Woche sehen wir uns beim Grundlehrgang wieder, denn dann beginnt unsere Ausbildung zu Rettungssanitätern und -sanitäterinnen.
Das gemeinsame Arbeiten nahm ich durchgehend als entspannt wahr und durch genügende Pausen, die manchmal sogar etwas kürzer hätten sein können, war ich auch nie zu kaputt nach einem Themenblock. Die Kommunikation mit den Seminarleiterinnen fand tatsächlich auf Augenhöhe statt und dadurch war auch in den Theorieteilen die Stimmung entspannt.
Die Vorträge (Erste-Hilfe-Kurs und Rettungshundestaffel) waren interessant gehalten, sodass ich immer gut folgen konnte.
Die Woche war sehr abwechslungsreich gestaltet, mir wurde tatsächlich kein einziges Mal langweilig und mir ging auch nie die Motivation aus.
Abschließend bleibt mir nur noch zu sagen: Ich freue mich wahnsinnig auf das nächste Seminar im September, das hoffentlich genau so schön wird wie das die letzte Woche.

Kategorien: Blog

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich stimme zu.